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Ideogramme

Königskartuschen: Symbolik und Aufbau

Von Matthias Vogel · aktualisiert am 10. August 2026 · 6 Min. Lesezeit

In Stein gemeißelte Kartuschen mit dem Namen Ramses II. in Tanis
Foto: HoremWeb, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

Was ist eine Kartusche?

Als Kartusche wird ein ovaler Zeichenrahmen bezeichnet, der in ägyptischen Inschriften bestimmte Namen des Königs umschließt. Ägyptologisch wird der Rahmen als "shenu" bezeichnet und als stilisierte Wiedergabe eines geknoteten Seils gedeutet – ein Symbol, das dem eingeschlossenen Namen umfassenden, ewigen Schutz verleihen sollte.

Herkunft des Begriffs

Der heute gebräuchliche Begriff "Kartusche" stammt nicht aus dem Ägyptischen, sondern aus der Zeit der napoleonischen Ägyptenexpedition: Französische Soldaten fanden, die ovale Form erinnere an eine Gewehrpatrone, französisch "cartouche". Der Ausdruck setzte sich in der europäischen Fachliteratur durch und wird bis heute verwendet.

Die fünf Namen eines Pharao

Ein ägyptischer König trug offiziell fünf Namen, die zusammen die königliche Titulatur bildeten: den Horus-Namen, den Nebti-Namen ("der beiden Herrinnen"), den Goldhorus-Namen sowie Thron- und Geburtsname. Nur die letzten beiden – Thronname und Geburtsname – wurden traditionell in eine Kartusche eingeschlossen.

Thronname und Geburtsname

Der Thronname wurde durch den Titel "Nesut-biti" eingeleitet, was sinngemäß "König von Ober- und Unterägypten" bedeutet und die doppelte Herrschaft über beide Landesteile ausdrückte. Der Geburtsname folgte dem Titel "Sa-Ra", "Sohn des Re", und verband den Herrscher direkt mit dem Sonnengott. Beide Namen erscheinen in Inschriften meist unmittelbar nacheinander, jeweils von einer eigenen Kartusche umschlossen.

Kartuschen als Schlüssel zur Entzifferung

Weil Kartuschen optisch klar erkennbare Eigennamen markierten, boten sie Gelehrten des frühen 19. Jahrhunderts einen wichtigen Ansatzpunkt. Sowohl Thomas Young als auch Jean-François Champollion nutzten den Vergleich mehrerer Kartuschen – etwa jener von Ptolemaios und Kleopatra –, um schrittweise Lautwerte einzelnen Zeichen zuzuordnen. Ohne diese visuell isolierten Namensfelder wäre der entscheidende Durchbruch deutlich schwerer zu erzielen gewesen, wie auch der Artikel zum Rosetta-Stein zeigt.

Bekannte Beispiele

Zu den heute bekanntesten Kartuschen zählen jene Tutanchamuns, dessen Grab 1922 nahezu unberührt entdeckt wurde, sowie die zahlreichen Kartuschen Ramses' II., der seinen Namen an unzähligen Bauwerken entlang des Nils verewigen ließ – etwa an den Tempeln von Tanis und Abu Simbel.